Auto und Uhrenmuseum Schramberg

Günther Schimanski
Auto- und Uhrenwelt Schramberg


July 2020 70 Jahre
MAICO MOBIL,1950  – Das Motorfahrzeug von Morgen
Ein geheimnisvolles Fahrzeug drehte Ende der Vierzigerjahre  zwischen Tübingen und Herrenberg, seine  Runden.  In der Dämmerung  konnte man meinen es sei ein Cabriolet, doch es fuhr nur auf zwei Rädern?  Was da so rätselhaft  unterwegs war entpuppte sich alsbald als Versuchsfahrzeug der Pfäffinger Maico-Werke – das spätere Maicomobil.   Ein Raumschiff auf zwei Rädern Die ersten Rollerschöpfungen nördlich der Alpen, anfangs der 1950er Jahre, waren meist noch von lebloser und schlapper Natur.  Es waren die Vespa und die  Lambretta, die das  notwendige Lebensgefühl versprachen. Das sollte sich bald ändern.
Denn schon 1950 präsentierte Maico das sogenannte Maicomobil MB 151. Dieses Fahrzeug war mehr Straßenkreuzer als Roller, seine Optik glich mehr einem Raumschiff als einem Zweirad. Das Maicomobil war ein vollkarossierter Motorroller  der umfassenden Schutz gegen Beschmutzung von der Straße und dem Triebwerk her bot. Die Frontverkleidung umfasste in ihrer gesamten Breite die Beine des Fahrers und bestand als Vollverschalung wie der Rest des Rollers aus Leichtmetallblech. Eine serienmäßig eingebaute riesige Windschutzscheibe aus Plexiglas schützte zudem vor Wind, Regen und Insekten. Und hinter dieser Windschutzscheibe sah es aus wie in einem Auto, dort fand man ein Armaturenbrett mit Zündschloss, einen Tacho mit integrierter Ganganzeige und eine 45/60 Watt-Gleichstrom-Lichtanlage und selbstverständlich ein Handschuhfach. Die Scheinwerfer waren in der Frontverkleidung fest montiert. Diese stammten übrigens aus der Autoindustrie. Unter die üppige Leichtmetall-Vollverkleidung steckte Maico die Motortechnik ihres Motorrads M 150. Der Motor  wurde aus Gründen der günstigen Gewichtsverteilung ungefähr in der Mitte des Radstandes montiert, so bot der Roller eine sichere Straßenlage, guten Fahrkomfort, sowie echte Betriebswirtschaftlichkeit (der Verbrauch lag bei 2,1 l auf 100 km)– da konnte kaum ein anderer Roller mithalten.  Eine weitere Besonderheit war die Fußbremse auf der rechten Seite. Der Bremshebel wurde nämlich nicht mit der Fußspitze, sondern mit der Hacke betätigt.   Das Auto mit den zwei Rädern Ohne Maico wäre der internationale Motorsport um einige Kapitel ärmer. Im Jahr 1950 wurde das Maicomobil in Reutlingen als „das Auto mit den zwei Rädern“ der Öffentlichkeit vorgestellt.  Obwohl es wie ein Motorroller aussah, fehlte doch der typische Durchstieg zwischen Lenker und Sitzbank.
Das Fahrzeug sollte der Allgemeinheit als Reisemobil auf zwei Räder schmackhaft gemacht werden, welches dem dreirädrigen Kleinautos als Tourenvehikel einen Schritt voraus war. 
Über dem Hinterrad gab es ein Sitzkissen, in den Fächern darunter fanden kleinere Gepäckstücke sehr gut Platz. Und die großen Räder sorgten zudem für ein angenehmes Fahrgefühl.
Durch die niedrige Anordnung von Motor, Getriebe und Gepäckraum war die Gewichtsverteilung ausgezeichnet und das Gefährt konnte es auch mit den Großen auf der Autobahn aufnehmen.
Die achteinhalb Pferde unter der Vollverkleidung waren gut für über 80 km/h. Mit 175 ccm stieg die Leistung 1952 auf runde 9 PS, das Getriebe bekam einen vierten Gang dazu und geschaltet wurde nun per pedes. 1954 hob man die Kubatur noch auf 200 ccm mit knappen 11 Pferdestärken. Das Maicomobil kostete mit 1785 Mark zwar nur ein Drittel des VW Käfers, aber die Roller von Vespa oder Lambretta waren noch einmal um einige hundert Mark billiger. Deshalb wurde das Maicomobil letztendlich kein großer Erfolg. Nach knapp 10.000 stück endete die Produktion des legendären Gefährts im Jahr 1958. Zuletzt wurde  in Spanien montiert, weil in Pfäffingen die Automontage begann. Mit der Maicoletta gab es ab 1955 eine würdige Nachfolgerin, die wieder mehr Roller als Raumschiff war.
Ein Gefährt  wie das Maicomobil sollte es bis heute nie mehr geben.  Es zeigt, was 1950 schon alles möglich war, nämlich so viel, dass es seiner Zeit voraus war, oder?   Das Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten präsentiert: Ein wunderschönes sehr seltenes Maicomobil mit Seitenwagen.
Dieses Schlachtschiff auf zwei Rädern wurde 1953 in den Maico-Werken in Pfäffingen bei Tübingen hergestellt.
Der Seitenwagen wurde von der Firma Steib hergestellt.
Steib galt zu dieser Zeit als der weltgrößte Hersteller für Seitenwagen.   Weitere Informationen und Kontaktdaten: www.auto-und-uhrenwelt.de www.eisenbahnmuseum-schwarzwald.de www.dieselmuseum.de www.autosammlung-steim.de Begleiten Sie uns auf einen virtuellen Rundgang Schnelle Infos erhalten Sie telefonisch unter: +49 (0) 74 22 – 29 300 Öffnungszeiten: 15.03. bis 31.10. Dienstag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
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