TÜV-Report 2019:

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Günther Schimanski

Jedes fünfte Auto hat erhebliche Mängel

Im neuen TÜV-Report, der am 9. November erscheint, konstatieren die Prüfer deutschlandweit eine Zunahme an Fahrzeugen, die wegen erheblicher Mängel durch die Hauptuntersuchung gefallen sind.

Darüber hinaus sieht sich der Verein durch die Digitalisierung und schärfere Abgasbestimmungen vor großen Herausforderungen.

Über ein Fünftel aller im Zeitraum zwischen dem Juli 2017 und dem Juni 2018 zur Hauptuntersuchung vorgeführten Gebrauchtwagen (21,2 Prozent) kam ohne das begehrte Prüfsiegel wieder nach Hause. Im Vergleich zum vorangegangenen Prüfzeitraum liegt damit der Anteil der Fahrzeuge mit „erheblichen Mängeln“ über alle Altersklassen hinweg um 1,3 Prozent höher. Weitere 12 Prozent aller Fahrzeuge waren mit „geringen Mängeln“ unterwegs, was immerhin einer Verringerung um 1,9 Prozent entspricht. Gar als „verkehrsunsicher“ reklamierten die Prüfer insgesamt 4.789 Fahrzeuge oder 0,1 Prozent und verfügten deren sofortige Stilllegung. Das statistische Material basiert auf rund 8,8 Millionen Hauptuntersuchungen der TÜV-Unternehmen. 


Dabei weisen die Statistiken auch ein steigendes Alter der deutschen Fahrzeugflotte als eine Ursache zunehmender erheblicher Mängel aus. Im Schnitt sind deutsche Autos 9,4 Jahre alt und damit um 1,3 Jahre älter als noch 2010. Zur Jahrtausendwende lag das Alter sogar um 2,5 Jahre niedriger. Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV), sieht in dem steigenden Durchschnittsalter eine zunehmende Gefahr für die Verkehrssicherheit: „Gerade die Halter älterer Autos sind aufgerufen, ihre Fahrzeuge regelmäßig zu warten, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen.“ Von den vier- bis fünfjährigen fällt nur jedes zehnte Auto durch die HU, während von den zehn- bis elfjährigen schon 28 Prozent kein Versetzungszeugnis mehr bekommen. Klassenprimus ist der Porsche 911, dessen Modelle 991 (bei den Zwei- bis Fünfjährigen) und 997 (bei den Sechs- bis Elfjährigen) in allen fünf Altersgruppen die Bestnoten einfahren. Insgesamt gaben die deutschen Hersteller ein recht gutes Leistungsbild ab, konstatiert der TÜV-Report. In den Wagenklassen Kompaktklasse, Mittelklasse, SUV und Van schnitten Modelle von Mercedes am besten ab. Der Opel Adam gewann bei den Minis und der Hyundai i20 durchbrach die Phalanx bei den Kleinwagen.
Unrühmlicher Kontrapunkt ist der Dacia Logan, dessen niedriger Anschaffungspreis sich scheinbar schon nach wenigen Jahren rächt: Schon bei den Zwei- bis Dreijährigen fielen 14,6 Prozent dieses Typs mit erheblichen Mängeln auf. Der Peugeot 206 macht dem Dacia bei den Vier- bis Fünfjährigen mit 28 Prozent Ausfallquote den ersten Rang streitig. Im Alter von Sechs oder Sieben liegt der Logan wieder vorn mit 30,9 Prozent. Bei den Acht- oder Neunjährigen teilen sich Renault Kangoo und Chevrolet Matiz mit 37,1 Prozent die „Krone“. Wer versuchte, einen zehn oder elf Jahre alten Logan noch über den TÜV zu bekommen, wurde in 40,6 Prozent der Fälle wegen erheblicher Mängel am Fahrzeug zur Nachbesserung geschickt. Der TÜV bemerkte auch eine gewisse Nachlässigkeit bei den Fahrzeugbesitzern, denn ein verhältnismäßig leicht ohne großes Knowhow oder hohen finanziellen Aufwand in Schuss zu haltendes Fahrzeugsystem, nämlich das Licht, sorgte immer wieder für Beanstandungen. Joachim Bühlers einfacher Rat: „Fahrzeugnutzer sollten häufiger überprüfen, ob sämtliche Leuchten funktionieren. Das ist gerade in der dunklen Jahreszeit sehr wichtig.“ Daneben traten Ölundichtigkeiten häufiger auf und auch Mängel an Fahrwerkskomponenten, von den Achsfedern über die Stoßdämpfer bis zu den Bremsen.
Kommende Herausforderungen
Die fortschreitenden Entwicklungen im Automobilsektor, verschärfte Umweltauflagen und die Digitalisierung der Mobilität stellen auch den TÜV vor neue Aufgaben. Aktuell stehen eine veränderte Mängelsystematik, neue Grenzwerte bei der Abgasuntersuchung und der Einstieg in die Prüfung digitaler Systeme wie eCall im Mittelpunkt. „Die Zukunft der Hauptuntersuchung ist digital“, sagt Bühler. „Autos sind heute rollende Computer und Datenspeicher. Wenn immer mehr sicherheitskritische Komponenten eines Fahrzeugs digital gesteuert werden, muss sich die HU anpassen. Dafür muss die Politik die Voraussetzungen schaffen.“ Damit meint er vor allem, dass die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden müssen, dass die Prüforganisationen Zugriff auf sensible Fahrzeugdaten bekommen. „In den Prüfkatalogen müssen Kriterien für die digitale Sicherheit von Fahrzeugen ergänzt werden“, erläutert Bühler. Dabei gehe es sowohl um den Schutz vor kriminellen Hackerangriffen, als auch um die Prüfung sicherheitsrelevanter Funktionen, die von Software gesteuert werden. Bühler: „Die Prüforganisationen müssen Zugang zur Software von sicherheits- und umweltrelevanten Fahrzeugkomponenten sowie zu den entsprechenden Diagnosedaten bekommen. Nur so können sie ihrem gesetzlichen Prüfauftrag nachkommen.“
Daneben bereitet man sich beim TÜV auf die ab dem 1. Januar 2019 geltenden neuen Abgasgrenzwerte vor. Auch dafür benötigen die Prüfer den Zugriff auf die digitalen Steuerungssysteme: „Nur mit einer Kombination aus Abgasmessung am Auspuff, einer Auswertung der Diagnosedaten und einer Sichtprüfung können die Prüfer Verschleiß, Manipulationen oder Defekte an der Abgasanlage richtig erkennen“, argumentiert Bühler.
Ein weiterer Entwicklungsschritt ist die Messung der Partikelanzahl bei Dieselfahrzeugen ab dem Jahr 2021. Darüber hinaus fordert der TÜV-Verband, dass zukünftig auch die Stickoxid-Emissionen (NOx) von Dieseln bei der Abgasuntersuchung überprüft werden. „Schmutzige Luft macht Menschen krank“, erinnert Bühler. „Die Prüfungen stellen sicher, dass die Abgasreinigung in unseren Fahrzeugen einwandfrei funktioniert.“

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