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30 Jahre IGWTB – eine Erfolgsgeschichte ?

Jubiläums-Rückblick von Klaus Schildkopf


So fing’s an

Es war eine kraftfahrzeugtechnische Randgruppe, die sich Ende September 1985 „im Westen“ zum ersten Treffen von Fahrzeugen  zusammenfand, die in der DDR gebaut worden waren.  Knapp 15 Jahre vorher war der offizielle Import der Marken Wartburg und Trabant aus der DDR in die BRD ausgelaufen. Das Ende des seinerzeitigen „General-Importeurs“, der Firma Norwed & Bauer in Braunschweig,  bedingte auch das Auslaufen der schon seinerzeit bestehenden Ausnahmegenehmigung für die Zulassung dieser Fahrzeuge in der BRD. Eine Ausnahmegenehmigung gab es danach nur für Übersiedler aus der DDR, sofern sie ein Auto aus der DDR mitbrachten.  Waren es in den fünfziger Jahren hauptsächlich politische Gründe, die die Erzeugnisse des „Industrieverbands Fahrzeugbau der DDR“ – kurz IFA genannt – zu einem Schattendasein auf dem westdeutschen KFZ-Markt verdammten („Doch keinen aus der Ostzone!“) , so war es die Antriebstechnik mit Zweitaktmotoren, die schon ab den sechziger Jahren zunehmend in Misskredit geraten war. Kurzum: Gerade eben 385 Fahrzeuge der Marken Wartburg und Trabant vermeldete die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes 1985.

Erstaunlich, dass sich dennoch 37 Fahrzeuge am 21.September 1985 zum erwähnten ersten Treffen in Amecke am Sorpesee zusammenfanden.  Es war die Geburtsstunde unserer IG, die sich bis Ende 1987 zunächst „Interessengemeinschaft Wartburg“ nannte und ein lockerer Zusammenschluß Gleichgesinnter ohne juristischen Status war. Im Oktober 1985 erschien das „Wartburg-Journal Nr. 1“. Info für Fahrer und Liebhaber der Marken Wartburg, Trabant und  Barkas hieß es im Untertitel. Es bestand aus geklammerten, fotokopierten DINA4-Seiten. Das Adressenverzeichnis wies Ende 1985 bereits 60 Namen auf, von denen noch 3 Personen bis heute Mitglied der IG sind. Der Verfasser dieser Zeilen stieß im Februar 1986 hinzu. Der Jahresbeitrag betrug damals DM 20,-.


Jedes Jahr ein Treffen

Die bereits beim Gründungstreffen 1985 einhellig geäußerte Absicht, ein solches Treffen jedes Jahr Ende September stattfinden zu lassen, hielt später Einzug in unsere Satzung und blieb bis heute alljährliche Tradition. Ein lustiger Zählfehler wurde dabei vermutlich bis heute von niemandem bemerkt: Wurde auf der Erinnerungsplakette von 1991 (richtigerweise) noch das 7. Jahrestreffen gezählt, war es 3 Jahre später 1994 erst das 9.

Bis zur Wende fanden die Jahrestreffen zwangsläufig nur in den alten Bundesländern statt, stets an wechselnden Orten: Sinsheim, Schlitz b. Fulda, Iserlohn, Reichelsheim im Odenwald.

Der schon frühzeitig geäußerte Wunsch, doch einmal an den Geburtsstätten unserer Fahrzeuge ein Treffen abzuhalten, ließ sich erst 1990 in Eisenach realisieren mit einem Abstecher nach Zwickau. Jedes Jahr fanden sich engagierte Mitglieder, die ein solches Fahrzeugtreffen organisierten. So waren wir schon (fast) in allen Ecken der Republik – vom Norden über den Thüringer Wald, den Berliner Raum bis in die Lausitz und von der Mosel bis in die Oberpfalz.


Die Wende

Die „Wende“ war aber auch in anderer Hinsicht ein Einschnitt in unserer Geschichte. Unsere Fahrzeuge waren ja – wie eingangs erwähnt – absolute Exoten auf den Straßen der BRD und stießen daher überall auf neugieriges und meist freundliches Interesse. Es gab Presseberichte und Radio-Interviews und sogar RTL-aktuell stellte uns in Wort und Bild vor.

Mit der Grenzöffnung wurden wir in vielen Regionen sozusagen zur Massenware und die von uns Fans geliebte blaue Abgasfahne wurde vielerorten – insbesondere in den ehemals grenznahem Kreisen der alten Bundesländer – als lästig empfunden. Andererseits erlebte die IG einen ungeahnten Mitgliederzuwachs – die Mitgliederzahl stieg bis auf über 250 an, um sich dann in den letzten Jahren bei rund 150 einzupendeln. Ebenso, wie unsere Fahrzeuge innerhalb weniger Jahre aus dem täglichen Straßenbild verschwanden, etablierten sie sich aber andererseits zum festen Bestandteil der lebhaften Oldtimer-Szene in Ost und West unserer Republik und erreichten mit dem Trabi geradezu Kultstatus.


Von der IG zum e.V.

Der juristische Status der IG wurde von Anfang an kontrovers diskutiert. Fürchteten die einen zu viel Bürokratie und auch Kosten durch die Vorgaben des bundesdeutschen Vereinsrechts, so sahen die anderen Risiken in der Einzahlung von Beiträgen in eine Kasse ohne Rechtsrahmen. Die warnenden Stimmen wurden auf makabre Weise bestätigt, als der amtierende erste Vorsitzende im Laufe des Jahres 1988 unauffindbar und unerreichbar war, ebenso wie die bisher in die IG-Kasse eingezahlten Beiträge. Die in der Folge angestrebte Umwandlung der IG in einen „Eingetragenen Verein“ zog sich jedoch über mehrere Jahre hin, bis am 08.01.1996 endlich der Eintrag als e.V. beim Registergericht Eisenach erfolgte. Der „Geburtsort“ der Fahrzeuge mit dem Namen „Wartburg“ war einhellig als gewünschter Sitz des Vereins auserkoren worden. Allerdings waren es gerade die dortigen Behörden, die mit allerlei Einwänden und Änderungswünschen für die lange Verfahrensdauer verantwortlich waren.


Das Führungspersonal

Eine IG oder ein e.V. brauchen zunächst Mitglieder, um existieren zu können. Ebenso aber  bedarf es der Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Führungspositionen zu besetzen, in denen man sich niemals Lorbeeren verdienen, sehr leicht aber Kritik, Häme oder gar Aggressionen einhandeln kann. Dabei sind, wie in einer Großfamilie, nicht immer alle Beteiligten der gleichen Meinung – Streit und Auseinandersetzungen gehören gelegentlich dazu. Die IGWTB könnte jedoch nicht ihren dreißigsten Geburtstag begehen, wenn es nicht stets gelungen wäre, Mitglieder zu finden, die bereit waren als erster oder zweiter Vorsitzender, Schriftführer oder Kassenwart solcherart Verantwortung zu übernehmen. Dabei waren die Amtsperioden von unterschiedlicher Dauer, endeten – wie eingangs erwähnt – auch mal mit plötzlichem Verschwinden oder mit Abwahl im Streit. Der eine oder andere quittierte das Ende seiner Amtszeit mit Austritt aus der IG – allen aber gebührt aus der Sicht des Verfassers Dank dafür, für eine gewisse Zeit die Tätigkeit ausgeübt und damit die Existenz der IG gesichert zu haben. Die Namen werden nicht allen Mitgliedern etwas sagen, dennoch seien die 1. Vorsitzenden – ohne Wertung – hier benannt:


Das Journal

Da unsere Mitglieder über die gesamte Republik verstreut sind, ist aus der Sicht des Verfassers unsere Vereins-Zeitschrift das wichtigste Bindeglied innerhalb der IG. Inhalte, Format und Aufmachung unterlagen naturgemäß einem großen Wandel. So standen anfangs die im Westen äußerst problematische Ersatzteilversorgung sowie Technikfragen und Basteltipps im Vordergrund. Das Wartburg-Journal wurde zum IFA-Journal. Erlebnis-, Reise- und Restaurationsberichte sowie „Beziehungsromane“ unserer Mitglieder nahmen mehr Raum ein, stets begleitet von Rückblicken in Wort und Bild auf Entwicklung, Produktion oder Geschichte unserer Fahrzeuge und der damit verbundenen Personen und Werke, zum Teil in Form historischer Veröffentlichungen. Waren es anfangs einfache, geklammerte Kopien, so gab es später unterschiedliche gedruckte Varianten, das Format wechselte von A4 auf A5 und zurück und die Redaktion lag auch schon für mehrere Jahre in weiblicher Hand! Ein herzliches Dankeschön an alle Verantwortlichen der Vergangenheit! Dem neuen Redakteur gutes Gelingen! Freuen wir uns auf – hoffentlich – noch viele interessante Ausgaben!


Blick in die Zukunft

Die Kraftfahrzeug-Szene unterliegt einem steten Wandel. Heute alltäglich, morgen selten und übermorgen als Oldtimer gesucht. So ist auch der Wartburg 311 mittlerweile – insbesondere in den Sondervarianten wie Camping-Limousine, Cabriolet oder Coupé – zum Klassiker avanciert und auch die 353-er-Typen haben sich in der Szene fest etabliert. Der Trabant in seinen verschiedenen Ausführungen genießt allerorten Kultstatus. Wo nach der Wende viele verächtlich abwinkten und die Fahrzeuge reihenweise auf den Schrott wanderten, winken heute freundliche und lächelnde Menschen am Straßenrand und oft heisst es: Ach – so einen hatten wir auch mal… Natürlich wandelt sich auch die Oldtimer-Szene und das Interesse gilt zunehmend Fahrzeugen, die gestern noch nicht im Focus standen. Unsere Fahrzeuge sind ca. 25 bis 60 Jahre alt – unsere Mitglieder zwischen 20 und 70. Die Mitgliederzahl der IG ist seit Jahren relativ stabil. So ist zu hoffen, dass in 10 Jahren ein Artikel „40 Jahre IGWTB“ im IFA-Journal erscheinen kann und sich bis dahin stets engagierte Mitglieder finden, die sich für und mit unserem Verein engagieren, aber auch dass neue Mitglieder zu uns stoßen, die unser gemeinsames Hobby entdeckt oder auch wiederbelebt haben! Und natürlich, dass auch in Zukunft immer wieder  Fahrzeuge restauriert werden und zum zweiten oder gar dritten Leben auf die Straße zurückkehren – gerade bei Wartburg und Trabant, scheint es noch einen relativ großen Fundus zu geben – wenn auch die Zeiten des Schnäppchens für einen Kasten Bier – zum Glück – längst vorbei sind.